Warum Vorratsdatenspeicherung derzeit eines der unattraktivsten Themen im Internet ist

Die Vorratsdatenspeicherung ist so wenig attraktiv, dass Artikel zu diesem Thema durchgehend eine auffallend geringe Klickrate aufweisen. Ausgerechnet ein Thema, das alles angeht, sehr brisant ist und uns eigentlich zum Handeln auffordern sollte, wird so wenig geliebt? Warum das so ist, liegt wohl in seiner Auswegslosigkeit. Vorratsdatenspeicherung – keine Lösung, keine Lust?

Dieses Dilemma fasst wunderbar ein aktueller Artikel in der Süddeutschen Zeitung (SZ) zusammen:  „Es tut mir leid, liebe Digital-Kollegen, aber ich lese eure langen Artikel zum Thema Vorratsdatenspeicherung nicht. Obwohl ich weiß, dass diese gut und informativ sind, obwohl ich es wichtig finde, dass ihr ausführlich über das Thema berichtet…“ vermeldet Sarah Schmidt in ihrem Artikel. Wir sind also nicht allein.

[adsenseyu2]Enttäuschung als Grund

Das ganze Thema Vorratsdatenspeicherung zeigt uns, wie bequem wir sind und wie frustierend das Ganze ist. Schmidt begründet dies dann auch treffend: „Frustrierend finde ich es deshalb, weil seit den Enthüllungen von Edward Snowden klar ist, dass im Internet sowieso nichts, aber auch wirklich gar nichts privat bleibt. Das ist schlimm. Aber wenn die Bundesregierung jetzt auch noch speichert, was irgendwelche NSA-Server eh längst digital abheften, dann macht das für mich keinen großen Unterschied mehr.“

Eigentlich kann man also davon ausgehen, dass alles, wirklich alles, was wir online schreiben, posten und abbilden im weltweiten Netz gespeichert bleibt. Ob das aber eine Entschuldigung zum Wegschauen sein soll, muss jeder User selbst für sich entscheiden.

In den 70er Jahren hörte man ähnliche Ermahnungen über das Schreiben von Postkarten: „Schreib nur etwas, das wirklich alle erfahren dürfen“, hießen die Ermahnungen unserer Eltern bzw. Großeltern. Dagegen sind die Ermahnungen heute eher halbherzig. Einerseits sollen wir Vorsicht bei der Veröffentlichung in Sozialen Netzwerken walten lassen,  andererseits sollen wir alles Mögliche online kaufen und buchen, weil dies preiswerter und schneller ist.

Dabei sind sich in Umfragen die meisten Menschen einig: Der Mehrheit ist die Privatsphäre wichtig. Man weiß also, dass das Veröffentlichen von privaten Daten schlecht ist, doch man macht „es“ trotzdem? Dieses typische Verhalten nennt sich in der Psychologie „kognitive Dissonanz“. Wichtig ist die Privatsphäre uns allen schon, doch anscheinend überwiegt der Wunsch, sich anderen mitzuteilen über der Angst ausspioniert zu werden. Hinzu kommt die Frage, ob man überhaupt noch zu 100 Prozent unsichtbar bleiben kann, selbst wenn man dies wollte.

Halten vielleicht die Eltern noch Fotos ihrer Kinder strikt aus Facebook heraus, posten Großeltern „süße“ Aufnahmen ihrer Enkelkinder dann doch. Schulen und Vereine stellen Fotos ihrer Ausflüge und Aktionen ins Netz … Sind unsere Kinder erwachsen, haben sie bereits ausgeprägte Profile im Netz, selbst wenn sie selbst nichts veröffentlichen würden – was sowieso unwahrscheinlich ist.

Ich habe doch nichts zu verbergen!

Dieser typische Satz ist gar nicht so harmlos, wie es scheint. Schließlich leben nicht alle in einem Rechtsstaat und dürfen ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, Ihre Ansichten im Internet veröffentlichen. Auch unser europäisches System war noch vor gut 70 Jahren wenig tolerant oder offen für verschiedene Meinungen. Im Europa der 30er und 40er Jahre gab es zwar noch kein Internet, doch ebenfalls eine gute Überwachung. Individuen, die wir heute als „gute Menschen“ bezeichnen würden, wurden für ihre Ansichten verfolgt. Die Schriftstellerin Juli Zeh entlarvt den Satz, „Ich habe doch nichts zu verbergen“. Für sie bedeutet dieser Gedanke lediglich: „Ich tue, was von mir verlangt wird.“ Wer einverstanden ist, überwacht zu werden, ist mit allem einverstanden. Er willigt ein, per Überwachung zu konformem Verhalten gedrängt zu werden. Wäre es also doch an der Zeit, sich als Einzelperson und als Unternehmen zumindest Gedanken darüber zu machen, wie wir im Internet dauerhaft präsent sein wollen?

Tipp der Redaktion: Vorratsdatenspeicherung hin oder her – Sie möchten als Unternehmen zielgerichtet im Internet erscheinen? Dann kontaktieren Sie internetmarketing.at, wir helfen gerne weiter!

Weitere Informationen:
Sarah Schmidt: Warum ich keine Artikel zur Vorratsdatenspeicherung lese, auf www.sueddeutsche.de
Sascha Lobo: S.P.O.N. – Die Mensch-Maschine: Wehren Sie sich! auf: spiegel.de

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2 Gedanken zu “Warum Vorratsdatenspeicherung derzeit eines der unattraktivsten Themen im Internet ist

  1. Schön geschrieben! Auch wenn ich das Internet täglich brauche, am liebsten würde ich darauf verzichten, also zumindest wenn es um die Privatsphäre geht….wirklich spookie…

    Maria

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